Schüler-Reporter: Vom Winde verweht!

Die frische Brise, welche von der nahe gelegenen Elbe hinüber bis hin zur Kühne Logistics University (KLU) wehte, ließ die Teilnehmer der Veranstaltung auf die kommenden vier Stunden einstimmen. Den Marco Polo Tower im Rücken begannen wir unseren Tag und betraten das Gebäude.

Unter der Leitung von Professor Dr. Felix Ament und Ingo Lange vom Meteorologischen Institut der Universität Hamburg hatten die insgesamt 19 Schülerinnen und Schüler des zwölften Jahrganges der Stadtteilschule Blankenese die Möglichkeit, an einem Workshop teilzunehmen. Wie der Name „Vom Winde verweht“ vermuten lässt, ging es um Messungen zum Thema Wind, die mit Hilfe eines Theodoliten durchgeführt wurden. Ein mit Helium befüllter Ballon wurde in den Himmel steigen gelassen.

Herr Prof. Dr. Ament führte die Schülerinnen und Schüler in das Thema ein und beleuchtete die verschiedenen Formen der Windgeschwindigkeitsmessung. Diese sind der Mast, das Sodar, das Wind-Lidar und die Radiosonde. Eine jedoch sehr alte Methode ist der Gasballon, welchen wir heute auch genutzt haben, um die Windgeschwindigkeit zu messen. Wetterballons werden zweimal täglich losgelassen. Einer um 12:00 Uhr mittags und ein anderer um 00:00 Uhr. Hierfür werden mittlerweile Roboter genutzt, die die Ballons automatisch zu dieser Uhrzeit mit Gas füllen und dann in den Himmel steigen lassen. Auf diese Art und Weise muss sich niemand um Mitternacht aus dem Bett quälen und man erhält die Ergebnisse im Schlaf. Diese Sonden sind zentral geschaltet, sodass die Messungen jeden Tag automatisch und zeitgenau durchgeführt werden. Für genauere Messergebnisse werden zusätzlich zwei Ballons in den Himmel gelassen. Dies geschieht um 06:00 Uhr und um 18:00 Uhr.

Die Radiosonden schicken durchgehend Daten an die Empfänger, bis die Batterien der Sonden leer sind. Bei guten Wetterverhältnissen kann es schon mal vorkommen, dass ein solcher Ballon bis nach Blankenese, der Stadtgrenze oder sogar bis über die Elbe nach Harburg fliegt. Dann gibt es auch noch sogenannte „Sondenjäger“, deren Hobby es ist, Sonden abzufangen und sich diese dann als Trophäe in eine Vitrine zu stellen. Die Frequenzen und somit auch Daten der Radiosonden kann eigentlich jeder empfangen. „Einmal hat uns die Polizeistelle in Harburg angerufen und fragte uns, ob wir unsere Radiosonde zurückhaben wollen“, erzählte Herr Ament.

Nach dieser Einführung begann Herr Lange mit allerlei mathematischen und physikalischen Formeln und Gleichungen. Vieles war bereits aus dem Unterricht bekannt. Unter anderem schaute der Pythagoras vorbei.

Bevor der Wetterballon seinen ersten und letzten Flug machen konnte, haben Herr Ament und Herr Lange mit den Schülerinnen und Schülern die Messgeräte ausgerichtet und erklärt, wie ein solches funktioniert. Beim Straßenbau werden genau die gleichen Geräte verwendet.

Nun ging es nach draußen in die sonnige Kälte. Wir standen direkt vor der U-Bahnstation „Überseequartier“. Es war windig geworden und alle richteten ihre Theodoliten aus, sodass jeweils zwei Personen aus verschieden Richtungen auf diesen Ballon schauen konnten, um den Verlauf des Ballons zu verfolgen. Leo und Anton (zwei Schüler der Stadtteilschule Blankenese) hielten die Ballons euphorisch in der Hand und warteten nur darauf, dass Herr Lange das Zeichen zum Start geben würde. Der Himmel war blau, jedoch bewölkt und dennoch sonnig. Beim Beobachten des Ballons war es etwas unangenehm durchgehend in den Himmel zu schauen.

Wie wir bereits in der Vorbereitung erfuhren, vergrößert sich der Ballon in der Höhe fast um das Zehnfache, da sich das Gas im Inneren ausdehnt. Deshalb konnte man den Ballon recht gut im Auge behalten, da er nicht sehr viel kleiner wurde. Dennoch verschwand er nach einiger Zeit hinter der Wolkendecke. Während des Fluges maßen die Schülerinnen und Schüler alle fünf Sekunden die Höhe des Ballons. Anschließend packten wir alles zusammen und gingen zurück in die KLU. Nach einer kurzen Pause besprachen wir die Messergebnisse.

Nach der Besprechung der Ergebnisse fragten wir Herrn Lange, ob diese Art der Windmessung noch aktuell sei. „Nein, diese Art der Windmessung hat man vor 100 Jahren genutzt. Heutzutage ist so gut wie alles elektronisch und durch Roboter gesteuert, sodass man einfach einen Knopf in seinem Büro drückt und die Ergebnisse erhält“, sagte Herr Lange. „Im Zweifelsfall kann man diese Theodoliten auch im Krieg verwenden, da sie keinen Strom benötigen und somit gegen Wasser und Stromausfälle resistent sind.“

Wir verabschiedeten uns von den Professoren, von der Lehrerin Frau Matthies und den anderen motivierten Schülerinnen und Schülern. So neigte sich ein ereignisreicher und interessanter Vormittag dem Ende und alle verließen die KLU in die sonnige und moderne Hafencity.

Weitere interessante und lehrreiche Workshops wie dieser werden durch das Bildungsprogramm Wetter.Wasser.Waterkant für Hamburger Schulen ermöglicht.

Autoren:

Anna-Lena Krüger & Daniel José Pimienta Paulsen (Vielen Dank!)