Schüler-Reporter: Wie geht es Stint, Aal und Co?

Aktuelles über den Zustand der Fischfauna der Tideelbe.

Um diese und weitere spannende Fragen ging es in dem Vortrag von Prof. Dr. Ralf Thiel (Universität Hamburg, Centrum für Naturkunde, Ichthyologie) am 13.10.2017 in der Kühne Logistics University, an dem Oberstufenprofilkurse der Stadtteilschule Blankenese sowie der Goethe-Schule-Harburg teilnahmen. Von der Goethe-Schule war das Oberstufenprofil Ökosystemforschung sogar mit den beiden Jahrgängen 12 und 13 vertreten. Alle Schülerinnen und Schüler durften sehr informative Einblicke in die Forschungsarbeiten von Herrn Thiel gewinnen.

Vortrag von Herrn Prof. Dr. Ralf Thiel (Universität Hamburg, Centrum für Naturkunde, Ichthyologie) über den aktuellen Zustand der Tide-Elbe

Zunächst hat Prof. Thiel einen seiner Einschätzung nach stärker vereinfachenden, aber für die Schüler doch sehr anschaulichen Überblick verschafft, indem er die unterschiedlichen Flussabschnitte, die grundlegenden Präferenzbereiche von Fischen und ihre Laichwanderungen sowie auch die methodische Vorgehensweise bei den Forschungsarbeiten näher erläutert und klassifiziert hat.

Anschließend ist er auf viele Fischarten im Speziellen eingegangen, hat ihre besonderen Lebensräume und Lebensweisen genauer erläutert und zudem ihre Bedrohung durch invasive Arten am Beispiel der Schwarzmundgrundel aus dem Schwarzen Meer beschrieben. Die Schwarzmundgrundel wurde vermutlich über Wasserausgleichstanks von Schiffen in die Elbe eingeschleppt und sie vermehrt sich seitdem ungehemmt, da sie keine Nahrungskonkurrenz hat. Sie wird die Fischfauna der Elbe vor allem im Stadtgebiet Hamburg merklich verändern.

Zu seinen Forschungsdaten ist Herr Thiel durch verschiedene, aber gleichzeitig auch schonende Fangmethoden der Fischerei gekommen. Im Tidestrom der Elbe kam einem sogenannten Hamenkutter eine besondere Bedeutung zu. Das in einem Rahmen gespannte Netz wird von der Tideströmung durchflossen und hat eine Öffnungsfläche von über 90 m². Mit ihm konnten von der Oberfläche bis zum Grund alle auftretenden Fischarten in größeren Mengen erfasst werden. In kleinen Seitengewässern gehörte ein Elektrokescher zu den Hilfsmitteln, welcher ebenfalls sehr schonend die Fische leicht betäubt einfängt. Anhand der statistischen Auswertung der Fangzahlen wird die Präsenzstärke der jeweiligen Arten ermittelt, im Vergleich ihrer prozentualen Anteile. Und all diese Ergebnisse sind – bedingt durch diverse biotische und abiotische Faktoren – ständig im Wandel. Beispielsweise kann das Phytoplankton weiter stromabwärts kaum überleben, da es durch die Elbvertiefung im Hafenbereich und in der Fahrrinne aufgrund von Lichtmangel keine Photosynthese betreiben und somit das Wasser auch nicht mit Sauerstoff anreichern kann. Außerdem geht mit dem Phytoplankton als Nahrungsbasis für das Zooplankton eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Fischarten verloren.

Ein spannender Vortrag über die Fische in der Tide-Elbe!

Wie geht es nun Stint, Aal und Co.?  Der Stint muss sich immer wieder erneut beim Laichen stromaufwärts kämpfen und durch negativen Umwelteinflüsse droht die Bestandsbiomasse des Stints zurückzugehen – dennoch stellt der Stint die bei weitem größte Biomasse in den Fischbeständen der Tideelbe und kann weiterhin unbedenklich befischt werden. Beim Aal sieht das ganze deutlich anders aus: er laicht im Westatlantik und die Jungfische ziehen dann Richtung Europa, wo sie dann vor westeuropäischen Küsten im großen Stile befischt werden und dadurch in ihrer Existenz stark bedroht sind.

Viele der im Vortrag erhältlichen Informationen zur Ökologie der Fischfauna und ihrer Bestände in der Tideelbe hat Herr Thiel auch für die Behörde für Umwelt und Energie in einer sehr schönen Broschüre veröffentlicht. Mehr hier:

https://www.cenak.uni-hamburg.de/aktuelles/buecher/fischatlas.html

Atlas der Fische und Neunaugen Hamburgs

Abschließende Anmerkung:  der Vortrag war durch die Vermittlung von vielen Grundlagen der Ökologie und durch die anschaulichen Beispiele eine tolle Vorbereitung auf das Abitur.

Autor: Ilya Altincinar, 17.10.2017, Hamburg

Fotos: Olaf Zeiske und Ilya Altincinar